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Armin T. Wegner im Exil auf Stromboli
»Hier ist ein Dichter!«
Als der schlesische Dichter Max
Herrmann-Neisse 1925 in einer Rezension von Wegners Gedichtband Die
Straße mit den tausend Zielen zu diesem überschwenglichen
Urteil kam, war Armin T. Wegner längst kein Unbekannter mehr und
ging dem Höhepunkt seines Erfolgs entgegen. »Armin T. Wegner
gehört zu den bedeutendsten Lyrikern unserer Zeit«, war
in der Täglichen Rundschau zu lesen und für Fritz von Unruh
stand fest: »Ich habe einen wahrhaftigen Dichter gefunden.«
Ausgesuchte Stimmen von Schriftstellern über einen der Ihren, einen
damals prominenten Zeitgenossen – vor 1933. Nach der Zäsur
der Nazizeit und des Krieges wurde es still um den Dichter. So sehr, daß
ihm 1947 eine ungewöhnliche Ehrung zuteil wurde – lebendig
für tot erklärt zu werden: Auf dem Berliner Schriftstellerkongreß
stand sein Name auf der Gedenktafel für die zwischen 1933–1945
gestorbenen Autoren; auch der Prager Romancier F. C. Weiskopf reihte ihn
1947 in seinem Abriß der Exilliteratur Unter fremden Himmeln
in die »Verlustkette der literarischen Emigration«, »der
im Exil Gestorbenen ein«.
Eine Vorwegnahme der weiteren Rezeption Wegners zu Lebzeiten,
er wurde - mehr oder weniger – zu einem Vergessenen. So bemerkte
Wegner 1972: »Mir geht es gut ... meinem Werk nicht!«
Damit scheint sich ein kritisches Wort von Leo Katz über die Wegner-
Rezeption aufs Neue zu bewahrheiten: »Auch auf Wegner«, so
schreibt Katz in anderem Zusammenhang 1914, »konnte bisher der alte
Sinnspruch Anwendung finden: Der Prophet gilt nicht im eigenen Lande.«
Eine seltsame Laufbahn vom Gefeierten zum – in Deutschland –
Vergessenen.
Wer war Armin T. Wegner?
Armin T. Wegner – geboren 1886 in (Wuppertal-) Elberfeld, gestorben
1978 im Exil in Rom – gehörte zu den frühen expressionistischen
Dichtern, ehe er sich in der Weimarer Republik mit Prosawerken unter anderem
dem orientalischen Milieu widmete und als erfolgreicher Reiseschriftsteller
– so über die Sowjetunion, Persien, Mesopotamien, Palästina
und Ägypten – einen Namen machte. Neben seinem bemerkenswerten
schriftstellerischen Werk ist mit Wegners Namen das mutige Eintreten für
den Frieden, die Menschenrechte und ein tolerantes Miteinander der
Kulturen verbunden: 1915 hatte Wegner, deutscher Sanitätsoffizier
in der Türkei, – trotz erheblicher Risiken für seine Person
– als Augenzeuge den von den Jungtürken entfesselten Völkermord
an den Armeniern photographisch dokumentiert. Anschließend machte
er ihn in Deutschland und später in einem offenen Brief an den amerikanischen
Präsidenten Wilson öffentlich – angesichts des deutschen
Militärbündnisses mit der Türkei ein Politikum. Nach dem
Ersten Weltkrieg engagierte sich Wegner – unter anderem im »Bund
der Kriegsdienstgegner« – als entschiedener Pazifist.
"Menschheitskämpfer wollen wir sein, denn
nicht gegen den Kampf wenden wir uns, den wir lieben, nur gegen den Krieg..."
Armin T. Wegner, aus: Die Mobilisierung der Menschheit, 1918
Im April 1933 beschwor er angesichts
des »Judenboykotts« Adolf Hitler in einem Brief, der Judenverfolgung
Einhalt zu gebieten. Seine darin geäußerte Haltung, sich nicht
»durch Schweigen zum Mitschuldigen« machen zu wollen,
wenn das »Herz sich vor Entrüstung zusammenzieht«,
kann beispielhaft für Armin T. Wegners Gesinnung und Zivilcourage
stehen. In einer rechtsradikalen Umgebung als Pazifist denunziert, wurde
er im August 1933 verhaftet. Vorübergehende KZ-Haft und Folter konnten
seine Überzeugungen nicht brechen. Diese Erfahrungen und den Verlust
der Heimat, den sein Weg ins Exil bedeutete, konnte Wegner nicht verwinden;
mit der persönlichen Misere – auch der Entfremdung und Trennung
von seiner ersten Ehefrau, der Dichterin Lola Landau – ging eine
Schaffenskrise, zeitweise ein »Verstummen«, einher. Der Heimat
entfremdet, lebte Wegner von 1936 bis zu seinem Tod in Italien, ab 1945
in zweiter Ehe mit der Künstlerin Irene Kowaliska. In Deutschland
bis heute weitgehend ignoriert oder
»... aus der Heimat vertrieben und völlig
vergessen zu sein, kommt einem Tode gleich.« Armin T.
Wegner (nach 1947)
vergessen, genießt Wegner weltweit besonders unter Armeniern und
Juden hohes Ansehen. Als einer der wenigen nichtjüdischen Deutschen
wurde Wegner 1967 von der Gedenkstätte Yad Vashem (Jerusalem) wegen
des Einsatzes für die Juden »unter Gefährdung seines Lebens«
als einer der »Gerechten der Völker« geehrt. 1968 würdigte
man ihn auch in Armenien und verlieh ihm den hohen Orden des Heiligen
Gregor. 1956 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, 1962 die
höchste Auszeichnung seiner Geburtsstadt, der Eduard-Von-der-Heydt-Preis,
verliehen. 1996 wurde Armin T. Wegners Asche nach Jerewan überführt
und er erhielt dort posthum ein Ehrenbegräbnis. Eine 1995 zunächst
in Mailand gezeigte Ausstellung »Armin T. Wegner und die Armenier
in Anatolien, 1915« findet – nach Stationen in Italien und
Großbritannien – nun in den USA ein enormes Echo. Die Marke
von weltweit mehr als 250.000 Besuchern in über 40 Städten ist
bereits überschritten worden.
Christoph Haacker
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